Stanislav Struhar | Die Verlassenen

Roman

Schon war er fest entschlossen, auf den Hügel über Ventimiglia zu steigen, doch vermochte er nicht mehr, die Altstadt zu betreten; zu düster muteten ihre uralten Gassen ihn an, zu fremd, noch fremder als die Neustadt war sie in seinen Augen. So nahm er die Straße, die an der Altstadt vorbeiführte, und still betrachtete er den Meeresglanz in der Tiefe, sah in die dunstige Ferne, ließ seinen Blick über die herrlichen Bilder des Hinterlandes schweifen. So viele Farben stellte die Landschaft zur Schau, als er auf dem Hügel innehielt, so schön war sie und bezaubernd, wie das Sonnenlicht warm. Auch das Innere der Gärten sah er, an denen er vorbeigeschritten war, sah noch mehr Häuser, noch mehr Früchte, noch mehr Leben.

Gabriel hat nur eine alte Adresse, als er von Wien aus nach Ventimiglia reist, um seinen Vater zu besuchen, der einst nach Italien ausgewandert ist. Doch sein Vater ist ausgezogen und hat keine Adresse hinterlassen. Allein im fremden Land, lernt Gabriel eine junge Italienerin kennen, und sein Leben erfährt eine unerwartete Wendung. Schicksale der Einheimischen und der Zuwanderer erfüllen den Alltag seiner neuen Heimat, und er gibt die Suche nach seinem Vater auf, als er plötzlich seine Halbschwester kennenlernt…

Mit seinen Erzählungen erweist sich Stanislav Struhar als Meister der leisen Töne und der präzisen Beobachtung, der auch in Liebesdingen genau um die Bedeutung des Wartens auf den richtigen Augenblick weiß.


Stanislav Struhar: Die Verlassenen. Roman.
Wieser
2017